Fakten und Fabeln

vorzeitiger Orgasmus / vorzeitiger Ejakulation: Fakten und Fabeln

Über den vorzeitigen Samenerguss gibt es eine Menge Fabeln. Männer, die sich in der Vergangenheit an ihren Hausarzt, einen Sexologen oder einen anderen Hilfeleistenden gewandt haben, haben sich einiges anhören müssen und sind am Ende enttäuscht nach Hause gegangen. Sie bekamen Antworten, wie: „Das geht wieder vorüber“, „Das ist doch nicht so wichtig“, „Das kommt, weil Ihre Ehe schlecht ist“ oder „Das haben Sie sich selbst beim Masturbieren angelernt“. Diese nichtssagenden Bemerkungen entstanden dadurch, dass der vorzeitige Samenerguss nie richtig wissenschaftlich untersucht worden ist. Der Hausarzt, Sexologe und andere Hilfeleistenden konnten dann häufig auch nur diese Standardantworten wiederholen.
In den vergangenen Jahren hat neurowissenschaftliche Forschung jedoch neue Fakten ans Licht gebracht, durch die allerlei Fabeln wiederlegt werden konnten. Die wissenschaftliche Forschung über vorzeitigen Samenerguss ist vor allem in den Niederlanden erfolgt.

Hilft Psychotherapie?

Antwort:
Nein. Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die eindeutig nachweisen, dass Psychotherapie bei vorzeitigem Samenerguss hilft. In Bezug auf die Psychotherapie gibt es viele Diskussionen. Bereits seit ca. 100 Jahren wird behauptet, dass ein vorzeitiger Samenerguss die Folge unbewusster psychischer Spannungen oder die Folge von angelerntem Verhalten ist.
1966 behaupteten zwei amerikanische Sexologen, dass Verhaltenstherapie mit Hilfe von Masturbationsübungen eine effektive Behandlung für den vorzeitigen Orgasmus sei. Ihre Methode wurde und wird noch immer häufig von Sexologen angewandt, um vorzeitigen Samenerguss zu behandeln. Obwohl behauptet wird, dass diese Behandlung effektiv ist, wurde dies wissenschaftlich nie nachgewiesen. Möglicherweise kann dies den Samenerguss kurzfristig verzögern, aber längerfristig mit Sicherheit nicht. Sowohl eine amerikanische als auch eine englische Studie haben in den achtziger Jahren nachgewiesen, dass die Mehrzahl der Männer, die eine Verhaltenstherapie absolviert haben, nach 3 Jahren wieder einen ebenso schnellen Samenerguss hatten wie zuvor.
Psychotherapie kann Auswirkungen auf die Akzeptanz eines vorzeitigen Samenergusses und den Umgang mit diesem haben. Männer und/oder deren Partner, die psychisch so ernsthaft unter dem ständigen vorzeitigen Orgasmus leiden, können psychotherapeutisch so behandelt werden, dass der Umgang mit vorzeitigem Samenerguss für sie einfacher wird.

Helfen Arzneimittel?

Antwort:
Ja. Priligy, eine neue Art Arzneimittel, das die Aktivität des Stoffes Serotonin in bestimmten Bereichen des Gehirns verstärkt, sorgt dafür, dass der Samenerguss verzögert werden kann. In den letzten 10 Jahren konnte durch Arzneimittelforschung immer wieder eindeutig nachgewiesen werden, dass diese Art Arzneimittel den Samenerguss bremst. Die Chance, dass dieses Arzneimittel den Samenerguss bremst, beträgt ca. 80 %. Aber wie phantastisch die Ergebnisse auch sind, Fakt bleibt, dass ca. 20 % der Männer damit nicht geholfen werden kann. Der Grund, weshalb diese Arzneimittel bei einer Minderheit nicht wirken, muss noch eingehender untersucht werden. Möglicherweise hängt dies mit genetischen Faktoren zusammen, die bestimmen, ob Priligy eine Wirkung erzielen kann. Sie können jetzt Priligy bestellen (inkl. Verschreibung) über diese Website.

Gibt es Diskussionen über die richtige Behandlung?

Antwort:
Ja, es gibt bereits seit ca. 100 Jahren Diskussionen über die richtige Behandlung.
Zwischen 1917 und ca. 1990 wurden energische Diskussionen zwischen Psychotherapeuten und Sexologen geführt. Dabei ging es um die Frage, ob einsichtverleihende Psychotherapie oder Verhaltenstherapie (die Stopp-Start-Methode oder die Kneifmethode von Masters und Johnson) die beste Behandlung sei. Heutzutage wird von den Befürwortern einer psychologischen Vorgehensweise die Verhaltenstherapie empfohlen. Es wurde bisher jedoch noch kein einziger Artikel veröffentlicht, der auf der Grundlage einer wissenschaftlich gut durchgeführten Studie nachweist, dass Verhaltenstherapie, die Stopp-Start-Methode, die Kneifmethode oder Gesprächstherapie den Samenerguss für längere Zeit effektiv verzögern kann. Die wenigen Studien, die über die Verhaltenstherapie erschienen sind, sind methodologisch sehr schlecht gestaltet.
1973 wurde bekannt, dass ein Arzneimittel den Samenerguss gut verzögern kann. Sexologen und Psychotherapeuten sind im Allgemeinen jedoch nie Befürworter von Arzneimitteln gewesen. Sie waren davon überzeugt, dass vorzeitiger Samenerguss eine psychische Ursache hatte und somit mit Psychotherapie behandelt werden musste. Die Verfügbarkeit dieses Mittels wurde den Männern praktisch nie mitgeteilt. Therapeuten entschieden sich automatisch für die Verhaltenstherapie und nicht für z.B. Priligy als Behandlung des vorzeitigen Samenergusses.
Jetzt ist jedoch (auch einem großen Publikum) immer mehr bekannt, dass ein Arzneimittel wie Priligy verfügbar war, um den Samenerguss effektiv zu verzögern.

Seitdem wird eine neue Diskussion geführt, nämlich zwischen den Befürwortern und den Gegnern von Arzneimitteln. Die Diskussion betrifft die Frage, ob vorzeitiger Samenerguss nur mit Arzneimitteln, nur mit Psychotherapie oder mit beiden behandelt werden soll. Im Gegensatz zum Mangel an wissenschaftlichen Beweisen über die Effektivität der Psychotherapie sind in den vergangenen Jahren sehr viele wissenschaftlich gut durchgeführte Studien erschienen, die eindeutig zeigen, dass Arzneimittel den Samenerguss effektiv verzögern können.
Trotz der wissenschaftlich nachgewiesenen Effektivität von Arzneimitteln wird die Empfehlung für Arzneimittel und die kritische Haltung gegenüber den Ergebnissen der Psychotherapie von manchen Sexologen jedoch als einseitige Sichtweise bezeichnet. Sie können diese Meinung von Sexologen auch auf von Sexologen verwalteten Websites über Sexualität finden.
Es ist wichtig, dass sich derjenige, der Hilfe für „ejaculatio praecox“ sucht, von dieser Diskussion bewusst ist, und davon, dass eine Empfehlung für Verhaltenstherapie und Psychotherapie zur Verzögerung des Samenergusses nicht auf der Grundlage gut durchgeführter wissenschaftlicher Untersuchungen erteilt wird.

Sie haben natürlich das Recht, selbst mit zu entscheiden, welche Behandlung Sie bevorzugen.

Verschwindet ein vorzeitiger Samenerguss mit zunehmendem Alter?

Antwort:
Nein. Kürzliche Untersuchungen haben eindeutig ergeben, dass vorzeitiger Samenerguss mit zunehmendem Alter nicht verschwindet, sondern entweder in gleicher Form vorhanden bleibt (75 % der Patienten) oder sich sogar verschlimmert (bei 22 % der Patienten). Der Missverstand, dass vorzeitiger Samenerguss spontan abnimmt, ist durch die Tatsache entstanden, dass bei Männern, die keinen vorzeitigen Samenerguss haben, gelegentlich mit zunehmendem Alter eine leichte Verzögerung des Samenergusses auftreten kann und dass diese auch auf Männer mit vorzeitigem Samenerguss angewandt wird.